Turnerheim Neumarkt

2018

Bauherr: Stadt Neumarkt i.d.OPf.

Das „Turnerheim“ der Stadt Neumarkt i. d. OPf. liegt ausserhalb der Altstadt in der Maria-Hilf-Straße, einer breit angelegten früheren „Prachtstraße“, die in ihrer Verlängerung zum Kloster St. Josef führt und Richtung Mariahilfberg mit der Wallfahrtskirche Maria-Hilf zeigt.

In der Mariahilf-Straße sind noch die typischen Architekturdetails von Häusern vorhanden, die auf die frühere Bauweise, ganz oder auch nur im Sockelbereich, auf den Baumaterial Kalkbruchstein hinweisen, einen Naturstein aus der nahen Umgebung. In diesem Naturstein-Bautypus gehört auch der Kopfbau des „Turnerheims“, verarbeitet in einer hohen handwerklichen Qualität.

Der erste Bauabschnitt für das Turnerheim wurde 1927 fertig gestellt. Die Einweihung erfolgte am 26. September 1927.

Dabei handelt es sich um den westlichen Teil der Anlage mit dem imposanten Giebel. Nach den Erkenntnissen aus den Archivalien dürfte dieser Bau mit einer Breite von ca. 27 m und einer Länge von 11,50 m etwa 10 Jahre freigestanden sein, da die Turnhalle erst 1937 errichtet wurde.

Ab den 60er Jahren des 20. Jh. erfolgten dann wiederum verschiedene An- und Umbauten. Diese neuere Bebauung wurde sowohl in ihrer städtebaulichen als auch ihrer historischen und technischen Qualität als weniger angesehen.

Als bau- und stadtgeschichtlich bedeutsam blieb daher nur der 1. Bauabschnitt des Turnerheims erhalten. Besonders eindrucksvoll ist der gut gegliederte Baukörper mit dem mächtigen Westgiebel und dem charakteristischen Natursteinmauerwerk aus heimischem Kalkstein.

Der Kopfbau wurde saniert und die ursprüngliche Fassadengliederung und Fensteröffnungen wieder hergestellt. Somit erhielt das Gebäude wieder seinen ursprünglichen Charakter der 1920er Jahre.

Der Neubau mit der Doppelsporthalle und den Vereinsräumen ordnet sich trotz des enormen Volumens dem bestehenden Gebäude unter. Die Fassaden aus gebrochenen Betonschichten interpretieren das Bruchsteinmauerwerk des Bestandes auf neue, moderne Art.

Über eine neue “Glasfuge“ zwischen bestehendem Kopfbau und neuem Gebäude betreten die Besucher das „Neue Turnerheim“. Die „Glasfuge“ dient als zusätzliche vertikale Erschließungsschicht (Fluchtwege) und schafft die nötige architektonische Distanz zwischen Alt und Neu.

Die Südfassade der Sporthalle wurde mit bronzefarbenem Metall verkleidet und soll an die „Goldenen 20er Jahre“ erinnern, der Bauzeit des Turnerheimes.

Im Erdgeschoß des bestehenden Kopfbaues  (Eingangsebene Mariahilf-Straße) ist das Foyer mit Terrasse platziert. Mit dem Aufzug oder der neuen Treppe erreichen die Besucher den „Theatersaal“ im Obergeschoss. 

Im Neubau liegen im Erdgeschoß die Umkleide- und Waschräume für die Sporthallennutzung. Außerdem kann über eine Zuschauergalerie das sportliche Geschehen in der Halle mitverfolgt werden.

Die Sporthalle selbst sitzt ein Geschoß tiefer, auf Niveau des Sportplatzes. Hier sind auch die Lehrerumkleiden, sowie die Geräteräume untergebracht. Über eine Glasfront, die sich über die gesamte Breite der Südfassade zieht, wird die Halle belichtet und stellt den Bezug zum Aussenraum (Sportplatz) her. Oberlichtbänder im rückwärtigen Bereich der Sporthalle sorgen für zusätzliches Tageslicht.  Durch das Verlegen des Tragsystems und der Lüftungskanäle über die Halle bleibt diese frei von störenden Einbauten und eine ruhige Decke prägt den Innenraum. Damit wird auch die notwendige Raumhöhe für bestimmte Sportveranstaltungen erreicht.

Die bodentiefe Verglasung der südlichen Längsseite bietet einen angenehmen Ausblick auf den grünen Sportplatz. Ein aussenliegender Sonnenschutz verhindert Blendungen. Die Baustoffe Beton und Holz prägen den Raum.