Schreiberhaus Neumarkt i.d.Opf.

Bauherr: Stadt Neumarkt
Fertigstellung: 2006

Das auf das Baujahr 1430 zu datierende gotische Bürgerhaus ist der älteste Profanbau der Stadt Neumarkt. 1989 wurde es durch die Stadt Neumarkt erworben, um es zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Ein komplexes Schadensbild an Tragwerk und Oberflächen sowie unsachgemäße Zu- und Einbauten machten eine grundlegende Bestandsaufnahme erforderlich. Ein verformungsgerechtes Aufmaß, eine auf diesem basierende Gefügeuntersuchung, die restauratorische Untersuchung der Putze und Anstriche sowie ein Tragwerksgutachten bildeten die Grundlage für das Nutzungs- und Instandsetzungskonzept. Von zentraler Bedeutung war die Wahl einer Zeitstellung für die Sanierung. Das Schreiberhaus ist zwar in der gotischen Epoche entstanden, hat aber gravierende Umbauten und Veränderungen sowohl in der Renaissance 1610 als auch im Spätbarock 1772 erfahren. In dieser Phase wurden unter die gotischen Bohlen-Balken- und Bretterdecken die Stuckdecken abgehängt und das Fachwerk innen überputzt. Um auch diese nach der ersten Bauphase entstandenen bedeutenden historischen Befunde des Hauses erhalten zu können, wurde für die Sanierung die spätbarocke und klassizistische Bauphase (ab 1780) zugrunde gelegt. Ziel war es, dem Schreiberhaus seine einmaligen, vielschichtigen Aussagen zu belassen und hierfür verträgliche Handwerkstechniken, althergebrachte Materialrezepturen sowie angemessene Oberflächengestaltungen und Farbgebungen zu wählen. Die nötige Haustechnik als Grundbedingung für eine zeitgemäße Nutzung wurde äußerst behutsam und Substanz schonend untergebracht. Das Schreiberhaus ist ein hervorragendes Beispiel für den engagierten Umgang mit wertvollem Kulturgut und für hohe handwerkliche Qualität in der Denkmalsanierung. Darüber hinaus ist es gelungen, eine passende und zeitgemäße Nutzung zu ermöglichen: Durch den Einzug des Historischen Vereins und der Altstadtfreunde ist das Baudenkmal in seinem Fortbestand gesichert.